Was ist das Herrschafts-Paradigma und wie wirkt es sich auf deine Identität aus?

Herrschaftsparadigma

Kürzlich hatte ich ein Gespräch über den Begriff Paradigma, den ich verschiedentlich auf meinen Seiten verwende. Manchen ist nicht klar, was „Herrschafts-Paradigma“ bedeutet und wie wir selbst in einem Paradigma „gefangen“ sind.

Was ist ein Paradigma?

Der Ausdruck “Paradigmenwechsel” ist sehr in Mode. Und das ist kein Wunder. Es ist an der Zeit, unsere alten Glaubenssätze infrage zu stellen, um eine neue Einstellung und Mentalität zum Leben zu entwickeln.

Obwohl es unmöglich ist, zwei Individuen zu finden, die sich völlig gleichen, haben wir alle die gleiche menschliche Natur. Wir alle haben Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen. Daher teilen wir auf emotionaler Ebene auch eine Reihe von Unzulänglichkeiten, Frustrationen und Ängsten.

Parallel dazu haben wir alle einen Körper, einen Geist und ein Herz, auch wenn unsere Gesichtszüge, Hautfarbe, Größe und Statur je nach unserer Genetik und unseren geografischen und umweltbedingten Umständen variieren. Deshalb haben wir die Fähigkeit zu erleben, zu denken und zu fühlen.

Was macht unsere Identität aus?

Wenn wir also alle den gleichen menschlichen Zustand teilen, warum sind wir dann so unterschiedlich? Die Antwort ist nicht einfach.

Neben vielen anderen Variablen ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass je nachdem, wo wir geboren wurden und welche Art von Konditionierung wir erhalten haben, jeder von uns eine persönliche Identität geschaffen hat, die auf den familiären, kulturellen, beruflichen, politischen, religiösen und wirtschaftlichen Überzeugungen basiert, mit denen wir von der Gesellschaft geprägt wurden.

Ein Beweis dafür ist die Tatsache, dass Menschen, die in einem bestimmten Land (oder einer Gemeinschaft) geboren sind, dazu neigen,

  • eine bestimmte Sprache zu verwenden,
  • eine bestimmte Kultur zu verteidigen,
  • einer bestimmten politischen Partei anzugehören,
  • einer bestimmten Religion zu folgen und
  • sogar eine bestimmte Fußballmannschaft zu unterstützen.

Der springende Punkt ist, dass wir

  • unsere Überzeugungen (die unser Verständnis des Lebens bestimmen),
  • unsere Werte (die unsere Entscheidungsfindung beeinflussen),
  • unsere Prioritäten (die widerspiegeln, was wir für am wichtigsten halten) und
  • unsere Bestrebungen (die kennzeichnen, was wir erreichen wollen)

normalerweise nicht selbst wählen.

Genauer gesagt, bilden diese Überzeugungen, Werte, Prioritäten und Bestrebungen unser “Paradigma”, also die Art und Weise, wie wir die Welt sehen, verstehen und in ihr handeln.

Bist du dir deines Paradigmas bewusst?

Die Wichtigkeit, sich unseres Paradigmas bewusst zu werden und es zu verstehen, liegt in der Tatsache, dass es auch unsere Bedürfnisse und Motivationen bestimmt! Das heißt: was wir glauben, zu brauchen, um glücklich zu sein und was uns antreibt, um das zu tun, was wir im Leben tun.

Es ist auch die Wurzel, aus der unsere subjektive Denkweise und die Einstellung gegenüber unseren Rahmenbedingungen, geboren wird. Auf der Grundlage all dessen tendieren wir dazu, eine Reihe von Erfahrungen und Ergebnissen zu gewinnen, die letztlich den Grad unseres Wohlbefindens oder Unbehagens bestimmen.

Die Wahrheit ist, dass jeder von uns die Realität durch eine bestimmte Brille betrachtet, deren Farbe von dem gesellschaftlichen Umfeld, in dem wir uns als Individuen entwickelt haben, bestimmt wird.

“Wann immer Sie sich auf der Seite der Mehrheit wiederfinden, ist es Zeit, innezuhalten und nachzudenken.”
(Mark Twain)

Je größer also unsere Identifikation mit etwas ist, desto größer ist auch die Verzerrung von der Realität.

Beschreibung des Herrschafts-Paradigmas:

Alle Aspekte des Lebens in den Industrieländern sind geprägt durch das „hierarchische Netzwerk der Umgangsformen“ – auch als Herrschaft oder Hierarchie bezeichnet.

Dieses Netzwerk hierarchischer Konversationen offenbart sich in einem Lebensstil wo

  • Kampf,
  • Wettbewerb,
  • Über- und Unterordnung,
  • Gewalt und Zwang,
  • Macht,
  • Wachstum,
  • Fortschritt,
  • Kontrolle natürlicher Ressourcen,
  • Kontrolle und Beherrschung anderer durch die Inbesitznahme von Wahrheit, (siehe auch Regierung ist die Illusion von Autorität)

charakteristisch sind.

Kriegerische Begriffe wie ‘Kampf’ gehören zum Alltag

Herrschafts-Paradigma Kampf von klein auf
Kampf von klein auf

Wollen wir z.B. etwas gegen soziale Ungerechtigkeit unternehmen, sprechen wir vom ‚Kampf gegen Armut und Ausbeutung’.

Möchten wir eine saubere Umgebung, kämpfen wir gegen die Umweltverschmutzung.

Wir kämpfen gegen den Krieg, Männer für eine Beförderung, Frauen für gleiche Behandlung, Kinder für bessere Noten, Alte für mehr Rente, Teenager um Anerkennung… Alle scheinen zu glauben, dass sämtliche Handlungen, die alltäglichen und die besonderen, den Einsatz von Gewalt erfordern.

Wir sind besessen von der Idee der Kontrolle – kontrollieren uns und unser Verhalten, unser Gewicht, unsere Gesundheit, wie unseren Kontostand; kontrollieren andere und deren Handlungsweisen mit der gleichen Selbstverständlichkeit, und ebenso unsere Kinder.

Wir wollen die Natur auf diesem Planeten kontrollieren und versuchen es mittlerweile auch mit dem Universum.

Besitzen ist fundamental im Herrschaftsparadigma

Herrschafts-Paradigma  Gewaltsames ab- und ausgrenzen
Gewaltsames ab- und ausgrenzen

Wir leben mit Besitztum als Ausgangspunkt für alles Weitere, als wäre es legitim, die Bewegungsfreiheit anderer einzuschränken, während wir für uns selbst das Recht auf freie Entfaltung und Aktion beanspruchen.

Ich lebe in einer Wohnanlage, in der Zäune, also Abgrenzungen zum Nachbargrundstück, verboten sind. Die Rasenflächen gehen ineinander über, wie in einem Park. Was für eine Wohltat, wenn dann der Blick ohne Barrieren umherschweifen kann. Geht es um Bepflanzungen, muss man sich absprechen. Das fördert die Kommunikation.

Wir leben so, als hätten wir Besitzrechte an Naturschätzen, Anschauungen und Ideen, oder der Wahrheit. Der Ausdruck „geistiges Eigentum“ spricht für sich.

Andere auf Linie bringen, anstatt Selbstbestimmung zu gewähren

Im Herrschaftsparadigma misstrauen wir der Selbstbestimmung anderer Individuen, besonders der von Kindern, Alten oder Kranken.

Wir nehmen uns ständig das Recht heraus, für andere zu entscheiden, was für sie richtig oder falsch ist und geben ungefragt Ratschläge, als steckten wir in des anderen Schuhen. Das ist ein unentwegter Versuch, andere zu kontrollieren und läuft auf „alle kontrollieren alle“ hinaus. So erhält sich das System von selbst.

Die hierarchischen Strukturen, in denen wir leben, bewirken Folgendes:
Wir verlangen Gehorsam voneinander und behaupten außerdem, dass Ordnung ohne Autorität und Fügsamkeit nicht möglich sei.
Wir bauen alle unsere Beziehungen auf zwei Kriterien auf: Überlegenheit oder Unterlegenheit.

Wollen wir wirklich so leben oder lieber das Paradigma wechseln?

Fazit

Obwohl die Realität für alle gleich ist, verzerrt sie jeder von uns und erlebt sie auf subjektive Weise. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, was die Säulen des aktuellen Paradigmas sind, auch bekannt als das “alte Paradigma” bzw. Herrschaftsparadigma.

Vor allem, weil es auf Unwissenheit basiert und Ergebnisse von Kampf, Konflikt und Unzufriedenheit erzeugt. Daher ist es im Niedergang begriffen.

Wenn wir also nicht die Grundlagen infrage stellen, auf denen wir das System und damit unsere Identität aufgebaut haben, werden wir kaum in der Lage sein, den vorgefertigten Weg zu verlassen, auf dem die meisten von uns wandeln.


Mehr zum Thema:

Mehr zum Thema:  Wettbewerb: Unser seltsames Erbe vom Antiken Griechenland

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.