Wie die Kinder der indigenen Batek lernen, friedvoll zu leben

Friedvolles Spielen

Die zentrale, organisierende Idee der sehr friedlichen Batek-Gesellschaft war die moralische Verpflichtung, alle Lebensmittel mit den übrigen Personen zu teilen, die zufällig im Lager waren. Dieser „moralische Grundgedanke“, veranlasste die Kinder, dass sie ständig herumschwirrten und Mahlzeiten von einem Camp zum anderen brachten. Selbst dann, wenn die Empfänger bereits viel von den gleichen Lebensmitteln hatten.

Die grundlegende soziale Einheit der Batek war die Großfamilie. Ihre langfristige wirtschaftliche Basis war das nomadisierende Jagd- und Sammellager. Sie lebten Mitte der 70er Jahre und jetzt noch in der Nähe oder im weltberühmten Taman Negara Nationalpark, dem ungebrochenen Tropenwald im Nordosten der Halbinsel Malaysia. Die Batek zählen heute etwa 1.500 Menschen, von denen jeweils ein Drittel in vorübergehenden Unterkünften im Park lebt.

Die Art und Weise, wie die Batek ihre Friedfertigkeit an ihre Kinder weitergeben

Ein wesentliches Element ihrer Gewaltlosigkeit war, dass sie zwar ihre Individualität schätzten, aber auch an vielen sozialen Projekten und Arbeitsaktivitäten mitarbeiteten. Außerdem konnte niemand, obwohl sie informelle Führer hatten, einen anderen zwingen, etwas zu tun. Die Führung war völlig freiwillig und das Verbot von Gewalt war verbindlich.

Die Erziehungsstrategien der Batek

Väter spielten eine wesentliche Rolle bei der Erziehung von Kindern ab dem Säuglingsalter. Sie hielten, kuschelten und streichelten ihre Babys genauso wie die Mütter, und das mit ebenso viel offensichtlicher Freude. Beide Eltern haben ihre Babys gewaschen und gebadet.

Während die Menschen sich in ihren Übergangslagern ausruhten, stellten die Väter oft Dinge her, mit denen die Kinder spielen konnten. Zusätzlich scherzten sie mit ihnen, während sie sie auf dem Schoß hielten. Andere Mitglieder des Camps überschütteten die Babys ebenfalls mit Aufmerksamkeit. Batek wünschen sich männliche und weibliche Kinder gleichermaßen.

Wenn die Babys über das Kleinkindalter hinaus wuchsen, von etwa 2 bis 6 Jahren, spielten sie weiter, wurden aber von ihren Eltern nicht mehr so intensiv betreut. Die Kleinen konnten mit Messern an Bäumen hacken, Feuer machen, nach Knollen graben, Bäume klettern, Stöcke sammeln und so tun, als ob sie kochen würden. Im Wesentlichen ahmten sie in ihrem Spiel nach, was Erwachsene tun.

Die eine Aufgabe, die den Kindern übertragen wurde, bestand darin, dass sie anderen Familien Teller mit Essen bringen mussten.

Jungen und Mädchen begleiteten ihre Mütter oft, wenn sie in den Wald gingen, um Knollen zu sammeln. Manchmal blieben sie jedoch im Lager bei anderen Erwachsenen, die nicht planten, an diesem Tag rauszugehen.

Eine friedvolle Art des Spielens: ohne Wettbewerb

Kinder spielten vollkommen konkurrenzlose Spiele. Ihre Spielgruppen waren in der Regel flexibel und spontan und niemand wurde ausgeschlossen. Wenn ein Kind jedoch nicht mit den anderen Kindern mithalten konnte, stieg es aus, um sich ein anderes Spiel zu suchen, an dem es Spaß hatte. Die Spielaktivitäten in den Gruppen wurden von dem einen oder anderen Kind je nach den Launen der beteiligten Kinder initiiert, und die Spiele hatten im Allgemeinen keine Regeln.

Batek Kinder
Batek Kinder

Eine typische Spielabfolge könnte mit dem Schwimmen in einem Bach beginnen, um dann vom Baumstamm zu springen. Und danach Tiger zu spielen, der Batek jagt. Wobei die Kinder die Rollen wechselten, wie sie wollten. Ihre Spiele hatten keine Gewinner oder Verlierer.

Dieser nicht wettbewerbsfähige Charakter der Spiele wurde aus dem fehlenden Wettbewerb zwischen den Batek-Erwachsenen abgeleitet. Als die Kinder älter wurden, konzentrierten sich ihre Spielaktivitäten intensiver auf die Arbeit, die sie als Erwachsene beim Jagen, Fischen, Sammeln, Graben und so weiter leisten würden.

Zu dem Zeitpunkt, als sie die in ihrer Gesellschaft angemessenen Rollen für Frauen oder Männer übernahmen, hatten sie auch die positiven Werte verinnerlicht, die die Menschen für beide Geschlechter empfanden. Die Batek waren geschlechtsneutral, da sie keinen größeren Wert den Aktivitäten von Männern oder Frauen beimaßen und keine Gruppe die andere kontrollierte. Die Menschen waren selbstbewusst, aktivitätsbegeistert, temperamentvoll und insgesamt zufrieden mit ihrer Arbeit und ihrem Leben.

Wie sozialisiert man Kinder, damit sie nicht aggressiv sind?

Ein wesentlicher Aspekt der Batek-Gesellschaft war die völlige Abwesenheit von Gewalt und Aggression. Batek-Kinder im Alter von einem Jahr, die andere Kinder attackierten, wurden ruhig von den anderen getrennt, meist ohne Kommentar der Erwachsenen.

Im Allgemeinen glaubten die Eltern, dass Kinder aus aggressiven, besitzergreifenden Verhaltensmustern herauswachsen würden. Und eine Belehrung darüber könnte die Aufmerksamkeit lediglich auf die unerwünschten Handlungen lenken. Manchmal lachten die Erwachsenen auch über die Aggressionen der Kinder. Denn sie versuchten so, Situationen herunterzuspielen, die die Kinder vielleicht als ernst empfunden hatten. Die Batek-Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern lassen sich im Wesentlichen als solche mit gegenseitiger Zuneigung und Respekt zusammenfassen.

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Für Leser, die Wege suchen, menschliche Gewaltmuster zu hinterfragen, bieten die Batek ein hervorragendes Beispiel für einen möglichen Ansatz. Weil er funktioniert, zumindest für die Batek in ihrer eigenen Situation. Ihre Verachtung für

  • den Wettbewerb
  • ihre Gleichberechtigung der Geschlechter
  • ihre Begeisterung für das Teilen und
  • ihr Glaube an Respekt – und natürlich
  • ihre wirksamen Ansätze, diese Werte an ihre Kinder weiterzugeben

sollten für andere, die versuchen, friedliche Gesellschaften zu entwickeln, lohnend sein. Dieser Artikel bietet eine wesentliche Ergänzung an Wissen für alle, die sich für Friedensförderung interessieren.

In diesem Zusammenhang ist auch aufschlussreich: Wie ist Gewalt in unserer Gesellschaft überhaupt entstanden?


Quellen:

Endicott, Karen L. and Kirk M. Endicott. 2014. “Batek Childrearing and Morality.” In Ancestral Landscapes in Human Evolution: Culture, Childrearing and Social Wellbeing, edited by Darcia Narvaez et al., p.108-125. New York: Oxford University Press (Übersetzung H. Vonier)

Bilder von Sasin Tipchai auf Pixabay, und Flickr