Die Verdrängung friedvollen Lebens durch Wüstenbildung und Hunger

Wüste und Hunger

Der Geologe Dr. James DeMeo konnte anhand archäologischer und paläoklimatischer Studien beweisen, dass vor ca. 6000 Jahren die Erde hauptsächlich gewaltlose, herrschaftsfreie Kulturen bevölkerten. Durch Wüstenbildung und Hunger hat sich dies geändert. Die Auswertung globaler anthropologischer und archäologischer Daten weisen auf einen Übergang von friedlichen und egalitären zu gewaltsamen, männerdominierten, kriegerischen Verhältnissen.

Was war passiert?

Wie konnte sich dieser Zustand ändern, wenn doch friedliche Gesellschaften von der natürlichen Auslese

Deformierendes Tragegestell

Deformierendes Tragegestell

begünstigt werden müssten, da ihre Prinzipien die naturgemäßen, angeborenen sind, die zudem das Leben fördern und unterstützen?

DeMeo fand aufgrund seiner Daten verschiedene globale Muster heraus.

Die frühsten dieser kulturellen Veränderungen gingen einher mit grundlegenden klimatischen Veränderungen. Dies geschah in spezifischen Regionen der Alten Welt, in Nordafrika, im Nahen Osten und in Zentralasien: diese relativ feuchten Gebiete wurden trocken und wurden verlassen mit der Konsequenz, dass durch den Zusammenfall der Umwelt- und Kulturbedingungen die Bindungen zwischen Mutter und Kind sowie zwischen Frau und Mann in traumatischer Weise zerstört wurden.

Soziale Folgen von Dürre, Verwüstung und Hungersnot

Augenzeugenberichte der jüngsten Vergangenheit, z.B. aus Afrika, über soziale Veränderungen während Hungersnot und Unterernährungsphasen beweisen, dass solche Notsituationen das Hineindrängen früher patriarchaler Völker in indigene Gesellschaften verursacht haben.

Auf der Suche nach Nahrung verlassen also Männer ihre Familien und kehren oft nicht zurück. Kinder und Frauen müssen so alleine ums Überleben kämpfen; Kinder schließen sich dann zu Banden zusammen, um Nahrung zu stehlen. Am längsten hält noch die Bindung zwischen Mutter und Kind, wobei nach einer gewissen Zeit auch die verhungernde Mutter ihr Kind verlassen wird, bzw. stirbt.

Psychologische Auswirkungen von Nahrungsmangel und Hunger

Klinische Untersuchungen haben ergeben, dass Nahrungsmangel und Hunger in der frühsten Kindheit neben physiologischen Schäden auch irreparable psychische Folgeschäden verursachen. Säuglinge werden durch Hunger und Unterernährung in gleicher emotioneller Weise beeinflusst, wie sie unter den Bedingungen einer Isolation und Deprivation von der Mutter auftreten.
Diese Folgen prägen lebenslang die Einstellung und Verhaltensweisen gegenüber Erwachsenen, Lebensgefährten und Nachkommen.

Schädeldeformation

Schädeldeformation

Im Zusammenhang mit Dürre- und Wüstenbildung sind Körperdeformationen bei Säuglingen und Kindern erkannt worden. Hier werden Säuglinge doppelt traumatisiert: durch Hitze und Hunger und durch starre, bewegungsverhindernde und kopfverformende Tragegestelle, wie sie die wandernden Völker in Zentralasien verwendeten.

Diese Schädeldeformationen und das Festeinwickeln der Kinder wurde, wie archäologische Funde bestätigten, feste, institutionalisierte Tradition der Kindererziehung in den Wüstengebieten Zentralasiens. Diese Tradition blieb auch noch bestehen, als diese Völker sesshaft wurden.

Hier zeigt sich Wilhelm Reichs Theorie bestätigt:

Erfahrene Traumatisierungen (Hunger), die sich als Charakterpanzer festsetzen, ziehen eine unbewusste sadistische und selbstzerstörerische Verhaltensweise nach sich, die gesellschaftlich institutionalisiert und nicht mehr hinterfragt wird.

Interessanterweise konnte man auch feststellen, dass Beschneidung und Infibulation bei Männern und Frauen aus noch nicht bekannten Gründen ihren Ursprung und geografischen Schwerpunkt im großen Wüstengürtel der Alten Welt hatte.

Gewickelter mongolischer Säugling

Gewickelter mongolischer Säugling

Nach DeMeo sind also Dürre, Wüstenbildung und Hunger Ursache der Zerstörung und Zerrüttung von familiären, liebevollen Bindungen. Diese Zerrüttung wird auf die Nachkommen übertragen; nach wenigen Generationen entwickeln sich verstärkt patriarchale gewalttätige Haltungen, die sich u. a. in traumatisierenden Körperdeformationen und Genitalverstümmelungen bei Säuglingen niederschlagen. Die älteren, gewaltlosen Verhaltensweisen werden allmählich ersetzt.

Diese Methoden setzen sich als Charakterpanzer fest, unabhängig davon, ob sich die Umweltbedingungen oder die Nahrungsversorgung wieder ändern.


Quelle:

Zusammenfassender Ausschnitt aus dem Kapitel „Entstehung und Ausbreitung des Patriarchats – die ‚Saharasia‘-These, 34 S. von James DeMeo in „Nach Reich von James DeMeo und Bernd Senf (Hg.)